Die «Bund»-Trophy der Curler steht für die Lenker Junioren um Skip Toni Müller im Zeichen künftiger Grossanlässe
Im März treten die Curler um Skip Toni Müller zur Junioren-WM an. Eine Medaille ist das Ziel. Und um dieses zu erreichen, sammeln die Lenker an der «Bund»-Trophy Erfahrungen auf höchstem Niveau.
Die Startaufgabe war keine leichte. Gleich zu Beginn der «Bund»-Trophy auf den zurzeit besten europäischen Curler zu treffen, ist eine grosse Herausforderung. Toni Müller und seine Teamkollegen verloren das Spiel gegen den schwedischen Weltmeister Peter Lindholm denn auch 4:7. Entmudigt waren sie indes nicht. «Auch die Besten spielen nur Curling», sagt Toni Müller.
Der 20-Jährige ist der Skip der Equipe vom CC Lenk. Zusammen mit Andreas Klauenbösch, Andreas Aegler und Nicolas Hauswirth ist er Schweizer Junioren-Meister. Die Lenker sind eines der wenigen Teams, die ohne eigene Curlinghalle den nationalen Titel gewonnen haben. An der Lenk kann wohl Curling gespielt werden, allerdings nur unter freiem Himmel. Trainiert wird deshalb meistens in Thun oder in Bern. Diese Situation verursacht zwar zusätzlichen Aufwand, «wenn der Wille aber da ist, ist das kein Problem», sagt Müller.
Zweimal pro Woche stehen die vier momentan gemeinsam auf dem Eis, hinzu kommen die Wochenenden, an denen sie Turniere spielen. Müller und Klauenbösch absolvieren die Durchdiener-RS und erhalten, weil sie als «qualifizierte Athleten» gelten, Zeit fürs Training. Aegler arbeitet zu 90 Prozent als kaufmännischer Angestellter, Hauswirth ist in der Ausbildung zum Automechaniker. Von einem Leben als Profis wie die Lindholm-Crew können die Lenker nur träumen. «In der Schweiz gibt es praktisch kein Profitum», erzählt Müller. Eine kleine Hoffnung, mit Curling einmal Geld zu verdienen, ist aber dennoch da.
An der «Bund»-Trophy tragen die Lenker den Namen «CC Lenk» auf ihren Jacken, an internationalen Anlässen starten sie seit dem Gewinn des Schweizer-Meister-Titels aber unter «Suisse» – als Nationalteam sozusagen. Das hat bewirkt, dass Curling eine andere Bedeutung erhalten hat. «Es ist nicht mehr nur ein Hobby», sagt Müller. Sein nächstes grosses Ziel ist die Junioren-WM vom kommenden März in Turin. Dort will er mit seinem Team eine Medaille gewinnen – «alles andere wäre eine Enttäuschung».
Gute Medaillenchancen
Utopisch ist der Gedanke an Edelmetall nicht. Im Hinblick auf die WM werden die Lenker zusätzlich zu ihrem Trainer Thomas Griessen von Heinz Schmid unterstützt. Nachwuchs-Nationaltrainer Schmid sagt: «Das Team hat gute Chancen, in Turin eine Medaille zu gewinnen.» Im Vergleich mit anderen Nationen stehen die Schweizer Nachwuchscurler nicht schlecht da: Seit 1994 haben sie an Weltmeisterschaften – mit einer Ausnahme – immer mindestens eine Medaille gewonnen.
Problematisch ist, dass Junioren-Mannschaften zum Teil nur eine WM gemeinsam spielen. Danach ergeben sich, oft aufgrund beruflicher Veränderungen, Umstellungen. Das ist einem kontinuierlichen Aufbau nicht gerade förderlich. «Ich kann mir vorstellen, dass die Lenker Junioren länger zusammenbleiben», meint Heinz Schmid. Müller und Co spielen schon seit 12 Jahren zusammen. Einzig Klauenbösch stiess letztes Jahr neu zum Team.
Nach einem Match spendieren die Sieger den Verlierern normalerweise eine Runde – zumindest in der Schweiz. «International ist das nicht immer so», erzählt Müller. Vom Lindholm-Team war nach dem Spiel im Curling-Restaurant jedenfalls nichts zu sehen.
Starke Genfer
Adelboden (Skip Björn Zryd), Genf (Yannick Renggli), Europameister David Murdoch (Scho) und das norwegische Team von Thomas Ulsrud sind an der «Bund»-Trophy als einzige Teams noch ungeschlagen. Für die grösste Überraschung sorgte das Quartett des CC Bern (Skip Theo Schneider), das den WM-Dritten Kanada (Mark Dacey) 6:5 besiegte. Mit drei Niederlagen ausgeschieden sind die Lenker Junioren. (pd)